Anleitungen
EXIST ist formal ein Hochschul-Antrag. Die Teams, die gewinnen, behandeln das Gründungsbüro ab Woche eins als Partner - nicht als Unterschrift, die sie am Ende einsammeln.

Auf einen Blick
Find die Startup-Stelle deiner Hochschule und buch ein Intro-Meeting. Frag nach ihrer EXIST-Bilanz und ihren internen Vorlaufzeiten.
Bring einen One-Pager und eine klare Bitte. Ziel: eine Professor:in mit echtem Bezug zu deiner Domäne, die deine Innovation erklären kann.
Find heraus, wer genau unterschreiben muss, in welcher Reihenfolge, und wie lang jeder Schritt dauert. Setz diese Vorlaufzeit als Fixkosten in deine Timeline.
Plan ein Senior-Querlesen mit dem Gründungsbüro und, wenn möglich, einer geförderten Gründer:in - mit Raum, das Feedback vor Einreichung umzusetzen.
Das EXIST-Gründerstipendium läuft über Hochschulen und Forschungseinrichtungen mit aktiver EXIST-Vereinbarung. In der formalen Mechanik ist die Institution die Antragstellerin und das Stipendium fließt über sie an die Gründer:innen. Das ist kein Papierkram-Detail, das du umgehen kannst - es prägt alles, von wer unterschreibt bis wie schnell du Geld bekommst. Ein Team, das das versteht, behandelt die Hochschul-Beziehung als Kernteil des Projekts; ein Team, das die Hochschule als Stempel sieht, den es bei Einreichung einsammelt, merkt meist zu spät, dass der Stempel seine eigene Warteschlange, seine eigenen Ferien und seine eigene Meinung zu deiner Idee hat.
Die praktische Konsequenz: Dein erster Schritt nach der Entscheidung zu beantragen ist nicht, ein leeres Dokument zu öffnen, sondern das Gründungsbüro zu finden und zu kontaktieren. Alles andere ist nachgelagert zu dieser Beziehung.
Die meisten deutschen Hochschulen relevanter Größe haben ein Gründungsbüro, eine Transferstelle oder ein Gründungsnetzwerk - der Name variiert, die Funktion ist gleich: das Team für Startup-Unterstützung und Förderanträge. Find es über die Hochschul-Website, frag deine Professor:in oder andere Gründer:innen. Beim ersten Kontakt ist deine erste Aufgabe einzuschätzen, wie erfahren sie sind. Eine Hochschule mit dutzenden EXIST-Anträgen pro Jahr hat einen geschliffenen Prozess, Vorlagen für Unterstützungsschreiben, Mentor-Matching und Leute, die die aktuellen PTJ-Erwartungen aus dem Effeff kennen. Eine Hochschule mit dem ersten EXIST seit drei Jahren bedeutet, dass mehr Arbeit bei dir landet - das ist okay, aber plan dafür.
So oder so: Stell ihnen früh drei konkrete Fragen: Wie viele EXIST-Anträge habt ihr begleitet und wie viele wurden gefördert, wer ist als akademische Mentor:in in unserer Domäne verfügbar, und wie lang ist eure interne Vorlaufzeit fürs Unterstützungsschreiben und die Unterschriften. Die Antworten sagen dir, wie viel der Timeline in deiner Hand liegt.
EXIST verlangt eine benannte akademische Mentor:in, typischerweise eine Professor:in, die für die wissenschaftliche Basis deines Vorhabens bürgt und sich im Antrag nennen lässt. Das ist eines der harten Tore: Anträge ohne glaubwürdige, willige Mentor:in werden vor der inhaltlichen Prüfung gefiltert. Die Mentor:in muss nicht deine frühere Thesis-Betreuerin sein, aber es hilft, wenn es eine echte Verbindung gibt - ein gemeinsames Forschungsfeld, ein Ergebnis, auf dem dein Vorhaben aufbaut, eine frühere Zusammenarbeit. Eine Professor:in, die ihren Namen für ein Projekt hergibt, das sie kaum versteht, ist ein schwacher Anker; eine, die deine Innovation in eigenen Worten erklären kann, ein starker.
Sprich die Mentor:in früh an und mach das Ja leicht. Bring eine Ein-Seiten-Zusammenfassung, eine klare Bitte ("würdest du als unsere akademische Mentor:in für einen EXIST-Antrag fungieren - das umfasst ein Unterstützungsschreiben und genannt zu werden") und ein realistisches Bild des Zeitaufwands. Die meisten Professor:innen unterstützen starke studentische Vorhaben gern - was sie ärgert, ist eine fristgetriebene Unterschriftsbitte ohne Kontext zu sein.
Das am meisten unterschätzte Angebot des Gründungsbüros ist das Querlesen. Die Leute dort haben dutzende EXIST-Anträge gewinnen und scheitern sehen, und sie lesen deinen Entwurf und sagen dir, wo er schwach ist - kostenlos. Das ist genau die Expertise, für die eine provisionsbasierte Förderberatung einen Prozentsatz deiner Förderung berechnen würde. Aus dem Netzwerk borgst du dir beides: das Geld und - wichtiger - das Lernen. Ein Gründungsbüro-Querlesen eine Woche vor Einreichung hat mehr Anträge gerettet als jeder bezahlte Service, den wir kennen.
Über das Querlesen hinaus verbindet dich das Netzwerk mit dem Rest seines Ökosystems: andere geförderte Teams, die ihre erfolgreichen Anträge teilen, an die Hochschule angebundene Acceleratoren und manchmal eine direkte Leitung zu PTJ für prozedurale Fragen. Nutz es. Die Gründer:innen, die das Gründungsnetzwerk als Community behandeln, zu der sie beitragen - auftauchen, späteren Antragstellenden helfen, teilen, was funktioniert hat - holen meist mehr heraus als die, die es als Automaten sehen.
Häufige Fragen
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